Retrokonsolen modden!


Die meisten antiken Videospielkonsolen aus den 70ern haben nur ein Antennenkabel. Das ist schön, wenn man einen dazu passenden Fernseher aus den 70ern hat (oder, wie ich, den ganzen Keller voller Fernseher ausn 70ern, braucht jemand einen?), aber ärgerlich, wenn man einen Fernseher von 2013 hat.
Die Fernseher aus diesem Millenium sind etwas wählerisch wenn es um Antennen- und Videosignale geht. Die Spielkonsolen der 70er hingegen haben sich das Signal irgendwie zusammengefrickelt, Ungeradzahlige Harmonische, die Konsole kann man sogar im Hyperband noch empfangen obwohl sie nur auf Kanal 3 senden soll, läft, Feierabend. Der Fernseher von 2013 sieht das Signal, denkt, hm, das ist kein gültiges Videosignal, das nehm ich nicht, weiter.
Resultat: Ein Kumpel und ich haben eine halbe Stunde gebraucht, um einen Philips G7000 (in USA als Odyssey2 bekannt) an einen solchen Fernseher anzuschließen. Und wir hatten die Bedienungsanleitung! Da stand drin, er sendet ungefähr auf Kanal 32. Bis ich mich im Fernseher durch die Menüs durchgeklickert hatte, wo man ne Frequenz eingeben konnte, war ne halbe Stunde rum! Immerhin hats dann funktioniert.
Nach einer Stunde KC Munchkin (der mit Abstand beste Heimkonsolen-Pac Man-Clone ever) hat die Konsole den Geist aufgegeben. Wäre nett, wenn man wüsste, was das Problem ist. Der neue Fernseher sagt: No Signal. Ich nehme die Konsole mit nachhause (hey, darf ich die Kiste übelst aufmotzen? Ne Multicart kriegst du so oder so geschenkt), diesmal hat die Setup-Routine nur 2 Minuten gebraucht (die Konsole funktionierte zwischenzeitlich wieder), sagte der Fernseher: Ich habe Empfang, ich habe Ton, aber ich bekomme nur einen schwarzen Bildschirm gesendet.
Beim Debuggen der Konsole stellte ich fest, dass der letzte Chip unter dem Abschirmblech (und der einzige Chip, den man abgesehen vom Grafikchip heute nirgends mehr herbekommt) ein TTL RGBi Signal kriegt! CGA wir kommen!
(Eins der Beinchen war floating und wohl an einen defekten internen pullup angeschlossen. Nachdem ich einen externen Pullup dran hab, ist das Bild nie wieder ausgefallen.

Philips G7000/Magnavox Odyssey2 RGB Mod:


Und hier die Beschaltung (vom G7000 gibts leider auch viel zu viele Varianten, kein Plan welche ich hab):



Hab das Ding an meinen Commodore 1084 und einen EGA-Monitor (CGA hab ich leider keinen) angeschlossen.
Hab ein Detailfoto gefunden, zwar keins von der Matsche, die über Antenne rausgeht, aber dieser Screenshot vom Commodore 1084 zeigt, was scharf ist. Das sind Mega-Pixel!

Die Bilder sind übrigens alle größer als die dargestellte Größe.
Was ich sagen kann: Antenne: Matsch. Composite: Matsch. RGBi: Wahnsinn. Irre Farben (der Monitor erzeugt die ja selber) und so gestochen scharf, dass man sich an den Pixelkanten die Hornhaut blutig schneiden kann. Lohnt sich echt. Und ja, der G7000 kann 16 Farben. Da freut sich der CGA-Monitor, der ja nur Cyan Magenta Weiß oder Rot Grün Gelb kennt.
Dann hab ich noch ein RGBi auf SCART Kabel gebaut. Die RGB-Signale gehen über 750 Ohm (besser weniger, aber mindestens 470 Ohm) Widerstände auf die RGB-Signalleitungen. Das Intensitätssignal geht durch ein 500 Ohm Poti und 3 weitere 750 Ohm (oder eben weniger) Widerstände dann auch auf die RGB-Signalleitungen. Dann braucht man noch ein Schaltsignal um 1V rum, damit der Fernseher von Compos(t)ite (ha ha zirp zirp) auf RGB schaltet. Das Composite Video Signal bleibt erhalten, damit der Fernseh was zum synchen hat. RGB über SCART sieht wieder ein wenig matschig aus, ist aber immer noch um Klassen besser als Composite ausm G7000. Ich vermute mal, wenn man einen Videoverstärker einbaut, siehts besser aus.
Übrigens, hätte ich fast vergessen: Das weiße Kabel ist Blanking. Ich verwende es für VSync, aber wenn man einen Fernseher anschließen will, muss man die RGBi Signale durch ein 74(LS)08 leiten, an dessen 4 anderen Inputs Blanking anliegt, andernfalls werden die Signale in den Austastlücken nicht geblankt, was beim Monitor zu Retraces führt und den Fernseher dazu bringt, das Bild ganz schwarz zu schalten (Spiele mit schwarzem Hintergrund laufen trotzdem).

Interton VC4000 (Modell 1) RGB Mod


Ich weiß, der RGB Mod für den VC4000 heißt Grundig Super Play Computer 4000. Aber leider haben alle Leute, die einen solchen haben, keinen passenden Fernseher und alle, die einen passenden Fernseher haben (z.B. ich - ich hab aber eine SCART Adapterplatine gebaut und nutze die Kiste als Monitor für den Amiga 500), haben nur einen normalen VC4000.
Für einen Kumpel ausm Arcademuseum sollte ich einen VC4000 auf AV + RGB modden, den der auf irgendeiner Versteigerung geschossen hatte. Nach dem Aufschrauben der Schreck: Es ist ein Modell 1 (Anbetungsmodus aktiviert). Mit weißen Keramikchips und 2 Platinen, eine für den Tonteil und eine fürs Bild! Im Keller des Museums steht ein Modell 1.5 im Originalkarton. Dieses hat noch die Platine mit dem Tonteil, aber keine Videoplatine mehr. Mein eigener VC4000 ist ein Modell 2. Keine Zusatzplatinen.
AV Mod beim Modell 1.5 / 2 ist recht einfach: Am linken Eingang des Videopotis einen 510 Ohm Widerstand angelötet (ich wette 470 tuts auch). Ton muss man über Kondensator koppeln, Bild sollte man auch.
Das Modell 1 ist da ein wenig schwieriger. Die Spannungen auf dem Videoausgang und dem Poti nebendran sind... anders als beim Modell 2. Der Entkoppelkondensator ist Pflicht. Dann bricht das Signal auch noch auf halbe Amplitude zusammen, ohne dass ich was dagegen tun kann. Aber über AV ist das Bild gut. Bei diesem Modell 1 ist Cyan witzigerweise Türkis! Das macht Spiele mit Grün auf Cyan oder umgekehrt (wie mein Flappy Bird) etwas schwieriger. Außerdem waren Sprites auf gleichfarbigem Hintergrund nicht erkennbar (im Gegensatz zu meinem, dem im Keller vom Museum und dem Emulator). Um das zu fixen, habe ich das nichtinvertierte Intensitätssignal über einen weiteren Kondensator und einem nach Geschmack zu dimensionierenden Widerstand dem FBAS-Signal zugegeben, was das eine Extrakabel ab FBAS-Entkoppelkondensator erklärt.
Fangen wir mit der linken Pin Header Reihe an. Von Oben nach Unten haben wir: !Rot, !Grün, !Blau, !Intensität. Die unteren 3 Pins haben (Reihenfolge vergessen): HSync, CSync, Blanking. VSync holen wir uns direkt vom 2621.
Wer jetzt denkt, Hurra, invertieren wir die Signale, Pustekuchen! Mit Modell 1.5 oder 2 wird es richtig schwierig, einen TTL-RGBi Mod zu bauen. WEIL: Das Intensitätsbit invertiert die Signale! Viele (wenn nicht alle) Spiele haben einen Bildschirmschoner, wo die Farben invertiert werden. Manche machen das über das Intensitätsbit, andere machens per Software. Und hieran kann man erkennen, ob man es richtig gebaut hat. Mein erster Versuch war, Rout = ((Rin AND Blanking) XOR Intensität). Das Ergebnis: Die Farben stimmen, aber die Helligkeiten nicht. Hintergründe sind hell, Sprites sind dunkel. Es soll anders rum sein. Dies zu fixen, lasse ich als Aufgabe für die Leser :-) . Netterweise hat das Modell 1 Video Board schon alles für uns gemacht! Tipp: Sie verwenden die Open Collector Version von 7404 (=7405) und 7486(=74136)!

Das funktioniert ganz super. Der 7404 wird verwendet, um das Intensitätsbit zu invertieren. Um die anderen Gatter vom 7404 nicht brach liegen zu lassen, habe ich sie verwendet, um HSync und VSync zu puffern, damit falls irgendwann mal einer auf die Idee kommt, einen CGA Monitor einer Billigfirma (z.B. IBM, echt jez), der an einem anderen Stromkreis hängt, im laufenden Betrieb einzustöpseln, den teuren 2621 nicht killt, sondern nur den billigen 7404.
Die Sache mit der Intensität hat leider einen Schönheitsfehler: Auf dem Fernsehgerät sind Sprites auf gleichfarbigem Grund ein winziges Bisschen heller als ihr Hintergrund. Auf dem RGBi Monitor sind sie erheblich heller. Noch schlimmer: Hintergrundfarben sind dunkel, invertierte Hintergrundfarben sind hell. Normal nicht feststellbar, aber mit RGBi Mod deutlich. Manche Spiele haben nun statt einem schwarzen einen dunkelgrauen Hintergrund.
Daher sollte man einen Schalter einbauen, mit dem man das Intensitätsbit abschalten kann, je nach Monitor (ist Dunkelgelb Braun? Kann ich den Monitor auf 8 Farben schalten?) muss es dazu auf High oder Low (oder I) gelegt werden können. Geschmackssache.

Viele andere antiken Spielkonsolen kann man auch modden. Bei vielen ist es einfacher. Für die meisten bekannten gibt es bereits Anleitungen im Netz.